Kalender-Update: November 2021

Exoten gehören nicht ins Wohnzimmer!

Boa constrictor Egon
Boa constrictor Egon

Unser Titeltier für November ist Egon (auch bekannt als Hannelore), eine stattliche Boa constrictor, und er steht exemplarisch für alle Exoten und Neozoen, mit denen wir es (leider) regelmäßig zu tun haben. Diese Tiere haben oftmals nichts in unseren Breitengraden verloren und sind auch als Haustiere absolut ungeeignet. Dennoch landen auf unterschiedlichen Wegen immer wieder Exoten bei uns im Tierheim, Egon beispielweise wurde einfach in einem Karton vor unser Tor gestellt.

Besonders brisant ist die Lage seit das neue Gifttiergesetz am 01. Januar 2021 in Kraft getreten ist. Seitdem sind die Haltung und Neuanschaffung dieser Tiere verboten und die Tierheime werden mit Abgaben überflutet. Und obwohl Umweltministerin Ursula Heinen-Esser vor über 1,5 Jahren versprochen hat, dass in NRW 9 (!) Auffangstationen gebaut werden und die Tierheime nicht mit den zu erwartenden Konsequenzen alleine gelassen werden, passierte seitdem … nichts! Es wurde keine einzige Auffangstation gebaut, lediglich der TerraZoo Reinberg als Auffangstation deklariert und dies nicht nur für NRW, sondern auch für Hessen und Thüringen. Dass sich dort die abgegebenen Gefahrentiere mittlerweile bis unter die Decke stapeln und das Personal vor Ort völlig überfordert ist, überrascht daher nicht.

Politik bleibt tatenlos
Wir im Tierheim Oekoven haben einiges an Erfahrung im Umgang mit Reptilien, Skorpionen, Spinnen & Co., daher nehmen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten durchaus solche Exoten bei uns auf. Unser 1. Vorsitzender Benjamin Pasternak wandte sich vor kurzem an das Lanuv (Landesamt für Natur Umwelt und Verbraucherschutz) NRW und fragte nach den Anträgen für die Kostenerstattung, die Frau Heinen-Esser den Tierheimen zugesagt hatte. Er erhielt nie eine Antwort …

Kornnattern Fred & Ebby
Kornnattern Fred & Ebby

Auch die neue Tierschutzberaterin (im Amt seit Dezember 2020), Frau Dr. Gerlinde von Dehn, hatte keine Antwort auf die Frage, wie es denn mit den versprochenen Auffangstationen weitergehen würde. Ihr Rat war lediglich, die Tiere doch im Zoo abzugeben. Es ist ihr offenbar unbekannt, dass Zoos NIE Tiere aus dem Tierschutz aufnehmen. Ohne bekannte Herkunft und Historie, stellen diese Tiere eine potentielle Gefahr für die anderen Tiere im Zoo dar, was übertragbare Krankheiten oder Parasiten angeht. Es ist lächerlich, welch große Reden die Politiker hier schwingen und mit leeren Versprechungen die Wogen zu glätten versuchen. Wir werden mit der Exoten-Problematik, den daraus resultierenden Kosten und Überforderungen völlig allein gelassen!

Was bei dem Ganzen nicht vergessen werden darf: Die Vermittlung von Exoten, Gefahrentieren & Co. ist extrem schwierig! Und so bleiben die Tierheime und Auffangstationen auf den Tieren sitzen, die Kosten für Pflege und Unterbringung sind exorbitant und es kommen stets weitere Exemplare hinzu.

Vor Kurzem standen wir kurz davor, eine Kornnatter in ein potentiell geeignetes neues Zuhause zu vermitteln. Auf den ersten Blick schien die Interessentin kompetent, sie konnte mit Fachwissen punkten und hatte bereits Erfahrung im Umgang mit diesen Tieren gesammelt. Als jedoch klar wurde, dass sie vorhatte, die Natter in der Helmbox ihres Motorrollers 45 Kilometer weit über die Autobahn zu transportieren, brachen wir den Vermittlungsvorgang sofort ab. Durch die Zugluft wäre die Schlange nach wenigen Minuten steifgefroren gewesen, dies ist Tierquälerei und zeugt auf keinen Fall von Verantwortungsbewusstsein und Expertise im Umgang mit den sensiblen Reptilien.

Skorpion im Terrarium
Sicher hinter dickem Glas: unser Skorpion

Unbemerkt ins Gepäck geschlüpft?
Sensibilität war auch in einem unserer letzten Fälle angesagt: Die Feuerwehr wurde zu einer Familie gerufen, der 6-jähriger Sohn habe einen „merkwürdigen Käfer“ an seiner Zimmerwand entdeckt. Der Käfer entpuppte sich als knapp drei Zentimeter großer Skorpion! Das Tierchen wurde in unsere Obhut übergeben, wir schicken einige Bilder und Videos zu einem Experten-Team der Reptilien-Auffangstation in München und die Klassifizierung ergab: Euscorpius sicanus. Wie auch immer es der eigentlich in der Toskana beheimatete Skorpion bis nach NRW geschafft hat (vermutlich als blinder Urlaubspassagier), ein Stich von ihm ist äußerst schmerzhaft und kann auch, vor allem für Allergiker, sehr gefährlich werden. Bei uns im Terrarium ist er nun sicher aufgehoben!

Doch Exoten sind nicht nur Reptilien oder Spinnentiere, sondern auch Fische und somit zählt auch das ganze Feld der Aquaristik hier mit dazu. Gerade Fische reagieren so empfindlich auf ihre Umwelt, dass bereits ein Umsetzen in ein anderes Aquarium mit einer nur geringfügig anderen Wasserqualität den Tod der Tiere bedeuten kann. Von den hohen Unterhaltskosten ganz zu schweigen.

Wenn Sie über die Anschaffung eines Haustieres nachdenken, so wägen Sie genau ab, welches Tier zu Ihnen und Ihren Lebensumständen am besten passt. Schlangen und Schildkröten beispielsweise wachsen ein Leben lang, sie können es zu einer stattlichen Größe bringen und die Unterbringung muss immer darauf abgestimmt sein. Artgerecht ist die Haltung in einem Terrarium/Aquarium nie, daher verzichten Sie bitte auf den Kauf von Reptilien, Spinnen, Fischen & Co. Sollten Sie Hilfe bei der Entscheidung benötigen, zögern Sie nicht uns anzusprechen. Wir stehen immer gern mit Rat und Tat zur Seite und lassen Sie nicht alleine. Denn wir stellen uns unserer Verantwortung als Tierschutzverein und Tierheim, und wir lassen kein Tier und keinen Tierfreund im Stich. (Und ja, dies war ein gewollter Seitenhieb Richtung Politik, die uns nämlich weiterhin im Regen stehen lässt!)

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